Friedrich Adler Papers
Period
(1848-)
1879-1966
Total size
4.25 m.
Consultation
Not restricted
Biography
Friedrich Adler: born in Vienna 1879, died in Zurich, Switzerland 1960; physicist, internationalist, social democrat; secretary of the Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Österreich (SDAP) 1911-1914 and 1918-1923; became a symbol of the antiwar wing in the labour movement when he shot the Austrian Prime Minister Karl Strügkh in 1916; under the influence of the revolutionary public opinion in Austria after the Russian revolution, he was released from prison in 1918; became chairman of the Arbeiter- und Soldatenrat; founder of the International Working Union of Socialist Parties (IWUSP) in 1921; secretary of the Labour and Socialist International (LSI/SAI) 1923-1946; after the `Anschluss' with Germany, leader of the Auslandsvertretung der oesterreichischen Sozialisten (AVOES) founded in Paris in 1938; fled to the USA in 1940; founder and chairman of the Austrian Labor Committee (ALC) in New York in 1942; opposed the restoration of an independent Austria in 1945 and lived until his death in Zurich.
Kathia Adler: maiden name: Katja Ja. Germanickaja; born in Lidá, Lithuania, Russia 1879, died in Zurich 1969; physicist, studied in Zurich; married Friedrich Adler in 1903.
Content
Friedrich Adler papers:
Period 1879-1939: correspondence 1899-1918, including a letter by Ernst Mach 1913 and photocopies of letters by Adler from prison; correspondence with Oscar Pollak and many others 1919-1939; personal documents 1890-1952; manuscripts of his pamphlet `Die materialistische Geschichtsauffassung und ihr Verhältnis zur Ethik' 1898; letters and documents concerning the trial for his murder of Stürgkh, his apology speech and press clippings 1912, 1914-1917; file on the International Socialist Conference in Brussels 1914 and Stockholm 1917; manuscripts by others and printed material.
Period 1940-1960: Personal papers 1940-1960: correspondence, including a letter by Albert Einstein 1945; notes on historical research from the fifties; manuscripts of speeches and some articles, including `Zur Geschichte des Scheiterns der Arbeiter Internationale' n.d.; album in memory of his 75th birthday 1954.
Auslandsvertretung der oesterreichischen Sozialisten (AVOES) and the Austrian Labor Committee (ALC): records 1940-1945, consisting of documents relating to meetings; correspondence with Julius Braunthal, Hugo Breitner, Wilhelm Ellenbogen, Otto Leichter, Schiller Marmorek and many others; documents mainly relating to Austrian socialists in exile and their organizations in the USA and in other countries; correspondence relating to applications for visa for the USA, Mexico and Cuba, on behalf of many persons; correspondence with, and documents relating to American authorities and other organizations, including the Jewish Labor Committee (JLC) and the Club der Österreichischen Sozialisten.
Kathia Adler papers: correspondence with Rafail Abramovič 1960, Annie Adama van Scheltema-Kleefstra 1955-1965, Julius and Tini Braunthal 1956-1966, Fedor and Lidija Dan 1931-1960, Otto Leichter 1945-1965, Oscar and Marianne Pollak 1923-1963 and others 1899-1966; family correspondence with Friedrich Adler 1899-1959, with her children Alice, Emmi and Felix Adler 1912-1966 and other relatives 1902-1935; personal documents 1894-1951. NB. Part of the Friedrich Adler papers at the Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung in Vienna, Austria.
Processing information
List made by Manfred Marschalek in 1995
Alternate Form of Material
Microfilms (1995).
Microfilms
Location of originals
Microfilms in possession of the Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung in Vienna
E I N L E I T U N G
Fritz Adler
wurde am 9. Juli
1879 in Wien geboren. Er war der älteste Sohn des Arztes Dr.
Victor
Adler
, des Einigers und Gründers der österreichischen
Sozialdemokratie, und seiner Frau Emma, einer aus der prominenten deutschen
sozialdemokratischen Familie Braun stammenden Schriftstellerin.
Fritz Adler
war zehn Jahre alt, als sein Vater 1889
die österreichische Partei einigte und sein Lebenstraum war es, ein Theoretiker
und Führer der Bewegung zu werden.
Victor Adler
bestand jedoch darauf, daß er einen ordentlichen bürgerlichen Beruf erlernte.
Nachdem
Fritz Adler
1897 in Wien die Realschule absolviert
hatte, deren Reifezeugnis ihn nicht zum Besuch einer österreichischen
Universität berechtigte, mußte er nach Zürich übersiedeln, um an der dortigen
Universität zuerst Chemie und später Physik zu studieren. Noch bevor er 1902
dort zum Dr. phil. promovierte, wurde er zum ersten Assistenten am Züricher
physikalischen Institut ernannt. Als sich ihm jedoch die Gelegenheit bot, eine
Professorenstelle zu erhalten, trat er zugunsten des seiner Ansicht nach besser
qualifizierten Albert Einsteins - mit dem er lebenslang freundschaftlich
verbunden blieb - zurück. Im Kreise der zahlreichen russischen Studenten in
Zürich lernte
Adler
seine Frau, die aus Lida in Litauen
stammende Physikerin Kathia Germaničkaja kennen, mit der er sich am 22. Januar
1903 am Standesamt Zürich verheiratete.
Nach dem Scheitern seiner
wissenschaftlichen Laufbahn übernahm
Fritz Adler
1910 die
Chefredaktion der züricher sozialdemokratischen Zeitung Volksrecht und wurde im
Jahr darauf, nachdem
Victor Adler
seinen Widerstand gegen
eine Parteikarriere seines Sohnes aufgegeben hatte, zu einem der vier Sekretäre
der österreichischen Partei nach Wien berufen.
Als im August 1914 der
Krieg ausbrach, geriet
Fritz Adler
als unbedingter
Kriegsgegner in einen scharfen Gegensatz zur Mehrheit der Parteiführung, die
ähnlich wie die deutsche, die Kriegspolitik der österreichischen Regierung
zumindest tolerierte und trat von seinen sämtlichen Parteiämtern zurück, was
aber nicht akzeptiert wurde. Als
Fritz Adler
mit seiner
Haltung in der Partei weitgehend allein blieb, erschoß er am 21. Oktober 1916
den Ministerpräsidenten Grafen
Stürgkh
, der alle
demokratischen Freiheitsrechte aufgehoben hatte. Nach einem aufsehenerregenden
Prozess, über den die Zeitungen breit berichteten, verurteilte ein
Ausnahmegericht
Adler
wegen dieser Tat am 19. Mai 1917 zum
Tode, obwohl die russische Februarrevolution auch in Österreich einen radikalen
Umschlag der öffentlichen Stimmung hervorgerufen hatte. Kaiser Karl, der
Nachfolger des am 21. November 1916 verstorbenen Kaisers
Franz
Joseph
bestätigte jedoch das Todesurteil nicht, das daraufhin vom
Obersten Gerichtshof in eine achtzehnjährige Kerkerstrafe umgewandelt wurde. Am
1. November 1918 begnadigt und aus der Strafanstalt entlassen, trat
Fritz Adler
nicht, wie in Moskau erwartet, an die Spitze
der neugegründeten KPÖ, sondern erwies sich als Vorsitzender des Arbeiter- und
Soldatenrates als wirksamer Gegner der Kommunisten, der durch seinen Nimbus
eine Spaltung der österreichischen Arbeiterbewegung verhindern konnte.
Das Schwergewicht von Fritz Adlers politischer Tätigkeit verlagerte sich jedoch
bald auf internationales Gebiet.
Schon 1921 wurde er Sekretär der
Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien, der sogenannten
'Zweieinhalbten Internationale'. Nach der Wiedervereinigung der Zweiten
Internationale 1923 wurde er als einer der Sekretäre nach London berufen, von
wo die Internationale im Dezember 1925 nach Zürich übersiedelte. Dort lebten
bereits die Kinder von Fritz und
Kathia Adler
, die 1903
geborene Alice ('Assi'), die 1905 geborene Emma ('Emmi') und der einzige Sohn
Felix, der 1911 zur Welt kam. Victor Adlers Witwe Emma übersiedelte ebenfalls
nach Zürich, wo sie bis zu ihrem Tode 1935 lebte. Bereits 1931 hatten die
österreichische Partei, Gewerkschaft und Konsumgenossenschaft ihre Barmittel
bei
Fritz Adler
im sicheren Zürich für den Fall eines
faschistischen Staatsstreichs deponiert. Nach dem Verbot der österreichischen
Arbeiterbewegung im Jahre 1934 wurde
Fritz Adler
auch zum
Verwalter dieser beträchtlichen Geldsumme, mit der Untergrund- und
Exiltätigkeit der österreichischen Partei und die Unterstützungen für verfolgte
und geflüchtete Genossen finanziert werden konnten.
1935 übersiedelte
Adler mit der Sozialistischen Arbeiterinternationale vor antisemitischen und
antisozialistischen Drohungen aus Zürich ins vermeintlich sicherere Brüssel,
von wo aus er die 1938 in Paris gegründete Auslandsvertretung österreichischer
Sozialisten (AVOES) leitete. Nach dem deutschen Einmarsch in Belgien und
Frankreich flüchtete das Ehepaar mit dem Großteil der AVOES über Spanien und
Portugal, ausgestattet mit 'Emergency Visas' des US-Präsidenten, im Herbst 1940
nach New York. Dort gründete
Adler
nach dem Kriegseintritt
der USA als Ersatz für die im
Streit
über die
Sinnhaftigkeit einer österreichischen sozialistischen Exilpolitik zerbrochene
AVOES im Februar 1942 das Austrian Labor Committee (ALC), das den Bestrebungen
der österreichischen Monarchisten erfolgreich entgegentrat, sich in den USA als
alleinige Vertreter österreichischen Interessen aufzuspielen.
Als einer
der Initiatoren des 1935 zur Rettung der geistigen Werte der europäischen
Arbeiterbewegung gegründete
IISG
und in der Erwartung, die
Niederlande würden wie 1914 neutral bleiben, hatte
Adler
1939 die IISG-Bibliothekarin
Annie Adama van
Scheltema
-Kleefstra zur Treuhänderin sämtlicher Auslandsguthaben der
österreichischen Partei gemacht, was nach der Besetzung Hollands die
Blockierung aller Konten durch die niederländische Exilregierung und eine
schwere Behinderung der Tätigkeit der österreichischen sozialistischen
Emigration zur Folge hatte. Zum ehest möglichen Zeitpunkt reiste
Fritz Adler
1946 nach London, Brüssel und Amsterdam um zu
sehen, was aus seinen Konten und den beim IISG deponierten Archiven seines
Vaters und der SAI geworden war. In seinem Reisegepäck brachte er das Archiv
des ALC nach Amsterdam.
Glücklicherweise hatten fast alle
Adler
'schen Archivbestände den Krieg überstanden. Weil er
die von der Nachkriegs-SPÖ vertretene Idee einer von der deutschen getrennten
österreichischen Nation ablehnte, blieb Fritz Adler im Exil und ließ sich 1947
wieder in Zürich nieder, wohin er sich die Archive seines Vaters aus Amsterdam
schicken ließ, um an einer Biographie Victor Adlers zu arbeiten. Auch Kathia,
die bis 1950 noch beim kränklichen Sohn Felix in den USA geblieben war, folgte
ihm 1950 dorthin.
Nachdem
Fritz Adler
am 2. Januar
1960 gestorben war, bemühte sich
Annie Adama van
Scheltema
-
Kleefstra
, auch den in Zürich
befindlichen Teil des
Adler
-Archivs nach Amsterdam zu
holen. Wegen Platzmangel in der Züricher Wohnung war ja ohnehin ein großer Teil
der
Adler
gehörigen Archivbestände im IISG geblieben. Das
scheiterte an dem von Kathia geforderten Preis von 2000 US-Dollar. So gingen
die in Zürich befindlichen Teile des Nachlasses von Victor und
Friedrich Adler
in den Besitz der SPÖ über, die
Kathia Adler
auch nach dem Tode ihres Mannes weiter eine
Monatsrente zahlte. Als Kompensation überließ
Kathia Adler
dem IISG zusätzlich zu den nach dem Tode ihres Mannes in ihren Besitz
übergegangenen Archivbeständen, die in Amsterdam geblieben waren, ihr eigenes
Archiv, das hauptsächlich aus den ihr aus Wien zurückgeschickten
Privatkorrespondenzen besteht. Auf diese Art entstand eine bedauerliche, mehr
auf Zufall, als auf sachlichen Gründen beruhende Teilung der
Adler
-Archive zwischen dem Wiener Verein für Geschichte
der Arbeiterbewegung und dem IISG.
Neben der Privatkorrespondenz zwischen
Fritz und
Kathia Adler
und der mit ihren Kindern besteht
das Amsterdamer
Adler
-Archiv vor allem aus den Materialien
zum Attentat und Prozess Fritz Adlers, seinere Korrespondenz als
Arbeiterrats-Vorsitzender und dem Archiv des New Yorker ALC.
Bei der
Ordnung wurden die ursprünglichen Aufschriften, die
Adler
selbst auf den Mappen und Briefumschlägen geschrieben hatte, als Ausgangspunkt
benutzt.
Das Archiv hat einen Umfang von 4.25 m.
L I S T E
FRIEDRICH ADLER 1879-1939
Persönliches
N.B. Siehe auch Nr. 247-251
Attentat und Prozess
N.B. Siehe auch Nr. 2
Manuskripte und Druckwerke Anderer
- 34
-
Materialien Anderer.
1902,
1915,
1919,
1930 und o.J.
-Abschrift Artikel Gustave Hervés von 19 Dezember 1915 'Les douleurs de l'enfantement';
-Typoskript eines Artikels. Mit Unterschrift 'Le Groupe Socialiste au Parlement'. Unvollständig. o.J.;
-Buchfragment über Selbstverstümmelung. o.J.;
-Manuskript von Adler und V. Pittoni 'Al compagni del Trentino'. o.J. ;
-Manuskript 'Die soziale Weltrevolution und die Aufgaben der Sozialdemokratie'. o.J. ;
-Flugblätter und Zeitungsausschnitte unter anderem Wiener jiddische Arbeiterzeitung. 1902, 1919 und o.J.;
-'Memorandum von Ludwig Jvan' [Wien]. Manuskript. o.J. ;
-Kerensky-Artikel 'Von der Diktatur der Demokratie'. 1930. 1 Umschlag.
- 37
-
Diverse internationale
Publikationen aus den 20er Jahren.
-Brief und Programm von 'The Fight the Famine Council for Economic Reconstruction'. 1921;
-Broschüre der Sozialistische Jugend der Schweiz. o.J.;
-Programmentwurf von Conrad Doebbeke zum Programm der USP (Berlin). o.J.;
-Brief von Tony Breitscheid (Büro für Internationalen Meinungsaustausch, Berlin). 1920;
-Liste von Büchern über den internationalen Sozialismus. o.J. 1 Umschlag.
AVOES UND ALC-ARCHIV 1940-1945
Sitzungen
- 39-45
- Sitzungen der Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten (AVOES), New York. 1940-1941. 7 Umschläge.
'Laufende Angelegenheiten' und politische Stellungnahmen
Kontakte mit Emigranten
-Österreichische sozialistische Emigration in verschiedenen Ländern-
US-Behörden
AVOES- und ALC-Fürsorgekomitee
ALC Wirtschaftliche Angelegenheiten
FRIEDRICH ADLER 1940-1960
Manuskripte und Druckwerke
- 258
- Artikel 'Die Sowjet Union als Aktivposten' und 'Die Generallinie des revolutionären Menschivismus'. Manuskripte. o.J. 1 Umschlag.
KATHIA J. ADLER-GERMANIČKAJA (1879-1969)
Allgemeine Korrespondenz
Familienkorrespondenz
- 284
- Korrespondenz mit Victor, Emma, 'Mucki' und Karl Adler . 1902-1903, 1917, 1925, 1935. 1 Umschlag.
- 286
- Korrespondenz mit Alice 'Assi' Adler. 1912, 1918, 1925-1927, 1929, 1934, 1943, 1947, 1958, 1960-1963, 1965-1966 und o.J. 1 Umschlag.
ANNEX
LISTE DER MIKROFILME DES ARCHIVS FRIEDRICH UND KATHIA ADLER
N.B. Die folgenden inv.nrn. wurden nicht verfilmt: 19-23, 27-28, 36,
220-238.
Filmnr.:
Inventarnr.:
1. 1-6.
2. 7-24.
3. 25-33.
4. 34-43.
5. 44-58.
6. 59-63. (1943)
7. 63-64. (1943-1944)
8. 64-71. (1944)
9. 72-81.
10. 82-90.
11. 91-107.
12.
108-124.
13. 125-137.
14. 138-145.
15. 146-155.
16.
156-166.
17. 167-171.
18. 172-182.
19. 183-215.
20.
216-241.
21. 242-245.
22. 246-250.
23. 251-268.
24.
269-271.
25. 272-273. (1965)
26. 274-281. (1966)
27. 282-288.
28. 289-296.